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Entidad Nómada - Tijuana

„Verkörperung“ / Performance

Kostüm: Porzellan, Baumwolle, Seide, Kunststoff

Tijuana

México

2020

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Das Wasser war kalt, die Höchsttemperatur war gegen 15:00 Uhr vorausgesagt: 16°C mit Wind. Aus dem Hostel ging ich bereits fertig angezogen, im Kostüm, und je näher ich dem Meer kam, desto tiefer habe ich ein- und ausgeatmet.  Ein paar Pausen für das Atmen. Mein Fuß berührt das Meerwasser und noch mehr Atmen. Ich erinnere mich nicht mehr genau, wie kalt es war, aber ich weiß noch, dass es mir körperlich weh tat. Und je tiefer ich hinein ging, desto mehr musste ich bewusst atmen. Ich habe geglaubt, dass ich wirklich ins Wasser gehen musste, dass es eine Notwendigkeit gab, dass ich zu der anderen Seite gehen würde. Und dann musste ich tatsächlich weinen, als mir klar würde, dass ich es nicht wirklich tun musste, weil ich ein Zuhause, eine Wohnung habe, zumindest einen Ort, wo ich dann warm duschen könnte danach. Die Kälte schmerzte nicht mehr. 

 

Als ich mich dann an das Wasser gewöhnt hatte, hatte ich keine Angst und keine Schuldgefühle mehr. Welle für Welle bin ich dort geblieben, ihre Gewalt hatte mich erwärmt. Als ich aus dem tiefen Wasser zurück kam, bin ich erstmal noch eine Weile gegangen, langsam vom Nassen ins Trockene und dann erst habe ich mich auf dem Sand niedergelassen. Ein Passant hat mich mit ganz viel Respekt angesprochen und ich brauchte den ganzen Tag, um aus diesem Zustand raus zu kommen. 

 

Ich denke, es gibt tatsächlich eine Realität, die wir kreieren können und die wir als Künstler_innen nutzen können, um Gefühle, Bewusstsein, Kenntnis, Verantwortung, aufzuwecken und ich hoffe dabei Handlungen in der Gesellschaft zu verändern.

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